Kasseler Rudel erobert Schlosspark
Im Schlosspark wuselt ein Hund herum. Neugierig beobachtet er die Besucher, in der Nähe des Bratwurststands reckt er seine Nase schnuppernd in die Luft. An sich nichts Ungewöhnliches – und doch zieht der große Husky mit den strahlend blauen Augen zahlreiche Blicke auf sich.
Normalerweise spaziert Herkules, Maskottchen der Kassel Huskies, in seinem Eishockeytrikot nicht bei sengender Hitze durch Melsungen, sondern feuert in der kalten Probonio-Arena in Kassel seine Teams an. Dieses Mal begleitet er die Mannschaftsvorstellung der Huskies Ladies.
Diese findet als Programmpunkt des Verzauberten Schlossgartens statt – und damit erstmals auf großer Bühne. Die Bierbänke vor derselben füllen sich Stück für Stück, auch der Geräuschpegel schwillt immer weiter an. Veranstalter Marco Hofmann schätzt das Publikum auf etwa 300 bis 400 Menschen. „Ein der Entwicklung des Kasseler Frauen-Eishockeys angemessener Rahmen“, befindet Moderator Stefan Gerhold später.
Zunächst sammeln sich die mehr als 50 Spielerinnen vom Haupt- und Perspektivteam auf der Wiese neben der Bühne. Noch ist Zeit für Fotos mit Herkules und Scherze über die drückende Hitze. „Der Schlosspark ist ein schönes Ambiente und Melsungen für uns ein familiäres Umfeld“, erklärt Frauen-Eishockey-Koordinatorin Felizia Katzer die Wahl des Veranstaltungsortes. „Im Handball und im Fußball wird Frauensport hier ebenfalls gefördert.“
Ihr Team wird seit 2014 von Hofmann und seinem Sanitätsdienst PS Nordhessen betreut. „Da die Kirchhofer Handballerinnen dieses Jahr keine Zeit für eine Vorstellung bei uns haben, wollten wir den Huskies Ladies diese Möglichkeit geben“, sagt Hofmann.
Zwei Meter weiter stecken Kapitänin Inga Gottwald und ihre Assistentinnen Simone Vogel, Steffi Kröger und Annika Stephainski geheimniskrämerisch die Köpfe zusammen. Auf ihre Teamkolleginnen wartet eine Überraschung: In Zusammenarbeit mit TP Manufaktur wurde ein Aufwärmshirt entworfen, auf dessen Rückseite jede Athletin ihren Spitznamen trägt. „Damit möchten wir noch mehr Identifikation schaffen“, sagt Katzer.
Übergeben wird das Shirt wenig später auf der Bühne, die Gerhold und Herkules mittlerweile erklommen haben. Stimmungsvoll leitet Gerhold durch den Abend. Einem Rückblick auf die erfolgreiche Vorsaison folgt die Präsentation der beiden Kader. Dabei bittet Gerhold jede Spielerin einzeln nach oben und stellt sie mithilfe lieber und unterhaltsamer Beschreibungen aus der Feder ihrer Teamkameradinnen vor.
Auch Annika Mundschenk bekommt ihren Auftritt. Als erster Fitnesscoach der Frauen gehört die Inhaberin des FT-Clubs Wehlheiden seit April zum erweiterten Trainerteam. 2024 war sie bereits als Spielersponsorin dabei und lud die Mannschaft zu sich zum Trainieren ein. „Ich mochte die Mädels auf Anhieb“, erinnert sie sich. „Deshalb habe ich angefragt, ob wir nicht irgendwie zusammenkommen können.“
Im Eishockey hat Mundschenk noch keine Vorerfahrungen, freut sich aber über die Herausforderung. „Allein die Entwicklung vom ersten bis zum letzten Spiel der vergangenen Saison war krass“, sagt sie. „Und im Training merkst du: Die Mädels wollen mehr.“
Wie viel mehr der Vorjahreszweite der Bezirksliga Nordrhein-Westfalen erreichen möchte, bringt Trainer Sven Mecke am Mikrofon von Gerhold auf den Punkt. „Wir wollen aufsteigen“, sagt er. „Wenn wir uns so präsentieren, wie wir es vorhaben, sehe ich keine Mannschaft, die uns schlagen kann.“ Den Grundstein kann das Team am 13. September legen, wenn es bei den DEC Düsseldorf Devils zu Gast ist.
Wieder von der Bühne entlassen, tummeln sich die Spielerinnen bei ihren Verwandten und Bekannten. „Aufregend war‘s“, kommentiert Vogel die erste offizielle Mannschaftsvorstellung. „Man hat sich schon ein bisschen wie ein exklusiver Profispieler gefühlt“, während auf der Suche nach einer Abkühlung im Hintergrund noch einmal Herkules vorbeiwuselt.
